Montag, 10. März 2008

Tomaten-Dilemma

Ich stand im Supermarkt beim Gemüseregal und befand mich in einem Dilemma. Als aufmerksame Konsumentin kaufe ich möglichst Produkte aus der näheren Umgebung und wenn es mein Budget zulässt, kaufe ich Bio ein. An diesem Abend hatte ich jemanden zu Besuch und wollte untern anderem meinen feinen Tomatenmozarella-Salat mit selbstgemachter Sauce auftischen. Da stand ich also im Laden und verglich die Tomaten untereinander.
Es gab eine Aktion aus Marokko und Tomaten aus Spanien aus dem Gewächshaus. Ich fragte mich, was jetzt wohl sinnvoller, ökologischer ist. Tomaten aus der Schweiz gibt es nicht, wir haben keine Saison. Die Gewächshäuser in Spanien brauchen sicher viel Strom für die Bewässerungsanlage und der Wasserverbrauch ist enorm. Die Arbeitsbedingungen dieser Arbeiter und Arbeiterinnen sind nicht wirklich rosig. Ich habe einmal eine Reportage darüber gesehen. Viele Arbeiter kommen aus Afrika, müssen unmenschlich viele Stunden arbeiten und leben direkt neben den Gewächshäuser in unwürdigen Behausungen. Meistens gibt es nur an einem Brunnen Wasser und mehrere Personen teilen sich kleinste Räume.
Bei den Tomaten aus Marokko war da sicher einmal ein weiter Transport und ich hatte keine Ahnung wie die Tomaten angepflanzt wurden. Womöglich brauchte es da auch sehr viel Wasser um die Bewässerung zu gewährleisten. Ich habe keinen Hinweis wie die Arbeiterinnen und Arbeiter bezahlt werden.
Die Aktion Marokko-Tomaten war halb so teuer wie die Tomaten aus Spanien. Ich kaufte schliesslich die Tomaten aus Spanien. Im Nachhinein überlegte ich mir: Wieso? Ich weiss ungefähr wie diese Tomaten angebaut worden sind, nicht wirklich was ich unterstützen möchte. Ob der höhere Preis mich getäuscht hatte und ich der Illusion erlegen bin, da bekommen die Bauern mehr Geld?
Nach längerem Nachdenken muss ich zugeben: Absolut sinnvoll und ökologisch wäre gewesen, wenn ich auf den Tomatenmozarella-Salat verzichtet hätte und einen Saisonsalat bevorzugt hätte. Mir ist aufgefallen, dass wir viel zu wenig wissen über die Produkte aus anderen Ländern. Trotz vielen Logos und Hinweisen kann ich oft bei einem Produkt nicht sagen, wie viel Energie jetzt aufgewendet wurde, bis da Produkt bei mir in der Einkaufstasche landet.

1 Kommentar:

Thierry hat gesagt…

So wie ich das sehe, steht für dich der Energieverbrauch an erster Stelle. Dies finde ich eine interessante Ansicht.
Für mich ist es aber in erster Linie wichtig, dass es den Menschen nicht allzu schlecht geht. Bei deiner geschilderten Szene geht es den Arbeitern wohl in keinem der beiden Länder gut. Wahrscheinlich müssen sie in Marokko genauso schwer und unter harten Bedingungen arbeiten. Deshalb gebe ich dir recht, wenn du schreibst, dass es wohl keine Rolle gespielt hätte, welche Tomaten du gekauft hast. Die Arbeiter in Spanien haben wohl kaum mehr Geld erhalten.
Ich hoffe, die Tomaten haben wenigstens geschmeckt. :-)