Mittwoch, 5. März 2008

Der Weg der Banane

Ich versuche möglichst genau zu beschreiben durch welche Hände die Chiquita Banane, welche ich heute Morgen gegessen habe, gegangen ist.

Der Weg meiner Banane beginnt auf einer riesigen Plantage in Costa Rica. Zuerst wird eine Bananestaude gepflanzt. Sobald Babybananen zu sehen sind, werden diese in blaue Tüten eingepackt, die mit Insektiziden imprägniert sind. Ausserdem werden sie anhand eines satellitengesteuerten Hubschraubers zum Beispiel mit einem Antipilzmittel besprayt. Nach einer gewissen Zeit findet die Reifeprüfung statt. Die Männer messen, ob meine Banane die richtige Dicke hat. Danach werden die Bananenbündel in 3-er Teams geerntet. Die Pflanze wird mit der Machete eingekerbt und geknickt, da man für den nächsten Schössling nur noch die Wurzelknolle braucht. Schaumstoffteile werden zwischen die einzelnen Bananen gelegt, damit es keine Druckstellen und somit keine braunen Flecken gibt. Danach werden die ganzen Bananenbündel abgeschlagen und auf der Schulter eines Mitarbeiters bis zur Bananenautobahn (Lift) transportiert. Von dort zieht ein weiterer Mitarbeiter den 500 kg schweren Bananenlift hinter sich her. 20 km ist die weiteste Strecke, die die Arbeiter mit einer Fuhre zurücklegen müssen. Nach der Fahrt mit dem Bananenlift wird meine Banane von Blütenblättern befreit. Die Bündel fahren nun über eine Waage, damit überprüft werden kann, wie viel jedes Ernteteam eingebracht hat. Danach werden die Bündel in so genannte Hände zerteilt. Die Plastiktüten, in denen die Bündel eingepackt waren werden z.B. zu Baumaterial recycelt. Von einem weiteren Mitarbeiter werden Stichproben in der Qualitätskontrolle überprüft. Die dicke der Banane muss genau 3 cm betragen und die Bananenlänge 27 cm. Von Mitarbeiterinnen werden die Bananenhände noch einmal zerkleinert (so kaufen wir sie schlussendlich im Supermarkt). Ausserdem sortieren sie unbrauchbare Teile aus oder Bananen, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen. Aus diesen Bananen wird zum Beispiel Babynahrung hergestellt. Danach geht meine Bananen eine Runde schwimmen, damit die Insekten und der Milchsaft im Innern der Banane entfernt werden. Nach dem Bad kontrollieren Mitarbeiterinnen, ob die Bananen gut aussortiert wurden. Wenn alles in Ordnung ist bekommt meine Banane den Markenaufkleber Chiquita und wird in einer Bananenkiste verpackt, die von Hand gefaltet, geklebt und gepresst wurde. Die Kisten werden nun in den Kühllaster geladen und zum Hafen transportiert. Im Hafen angelangt werden sie so schnell als möglich vom Kühllaster ins Schiff umgeladen. 30 Stunden dauert es, bis das Schiff beladen ist und die Bananen in den Kühlräumen untergebracht worden sind. Während der Fahrt überprüfen die Ingenieure permanent die Temperatur in den Kühlräumen. Am Zielort wird das Schiff wieder entladen. Bevor meine Banane in die Reiferei kommt, wird sie im Hafengebäude zwischengelagert. Später werden die Bananen in die Reifekammern transportiert, eng gestapelt und reifen dort mit Hilfe des Gases Äthylen. Innerhalb von 4-6 Tagen wird meine Banane schön gelb. Die Reise geht nun weiter zu den Grossverteilern und den Supermärkten. Meine Chiquita Banane habe ich im Rebsteiner Markt gekauft. Nachdem ich das Fruchtfleisch heute Morgen gegessen habe, ist die Bananenschale auf dem Kompost gelandet. Somit endet die Reise meiner Banane in Rebstein.

Erkenntnis: Es ist mir klar geworden, wie viel Arbeit dahinter steckt, bis ich die Banane im Supermarkt kaufen kann. Viele Menschen tragen dazu bei, dass die Banane schlussendlich die perfekte gelbe Farbe erhält. Beim Ernten der Bananen vollbringen die Arbeiter knochenharte Arbeit unter grosser Hitze. Ausserdem verdienen die Plantagenarbeiter sehr wenig. Das meiste Geld geht an die Supermärkte (Einzelhändler). Es wird auch darauf geachtet, dass möglichst wenig Abfälle produziert werden. Zum Beispiel werden die blauen Tüten zu Baumaterial recycelt und die nicht dem Schönheitsideal entsprechenden Bananen werden zu Babybrei verarbeitet. Wenn ich ab jetzt in eine Banane beisse, sehe ich die Arbeit, die dahinter steckt.

1 Kommentar:

Angib hat gesagt…

Diese vielen, genau beschriebenen Zwischenstationen haben mich sehr beeindruckt. Mir ist ebenfalls sofort aufgefallen, was für eine harte Arbeit diese Leute für einen miserablen Lohn machen und auch wie viel Pestizide und chemische Mittel eine solche Chiquita Banane braucht. Deshalb kann ich nur empfehlen: "Kauft Max Havelar Bananen"!Somit erhalten die Arbeiter und Arbeiterinnen wenigstens einen einigermassen angemaessenen Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.