Ich verbrachte mein bisheriges Leben auf unserem Bauernhof und bin somit in und auch mit der Natur aufgewachsen. Egal ob es stürmte, schneite, regnete oder die Sonne schien, es verging kein Tag, an dem ich und meine Schwester nicht draussen in der Natur waren. Wir gingen in den nahe gelegenen Windschutz und bauten Hütten, liefen durch Maisfelder, sprangen auf der gepflügten Erde herum und sammelten verhackte Regenwürmer ein. Diese brachten wir in unseren Regenwurmspital und versuchten sie mit Grashalmen wieder „zusammenzuflicken“. Ausserdem waren wir viel mit unseren Eltern in der Natur unterwegs. Wir halfen ihnen bei der Arbeit auf dem Hof, jedoch unternahmen wir auch viele Ausflüge zusammen beispielsweise an den Bodensee oder auf den Hohen Kasten.
Im Gegensatz zu früher sind meine Aktivitäten in der Natur geringer geworden. Vor allem in den letzten Wochen verbrachte ich kaum Zeit in der Natur und wenn, dann hatte ich so viele andere Sachen im Kopf, dass ich mich nicht bewusst auf sie einlassen konnte.
Doch alles änderte sich heute Morgen, als ich erwachte. Ich hörte die Vögel zwitschern und wusste daher, dass das Wetter nicht all zu schlecht sein kann. Tatsächlich, als ich die Fensterläden öffnete, strahlte mir ein wunderschöner blauer Himmel entgegen. Der perfekte Tag, um einen Spaziergang am Bach neben unserem Hof zu unternehmen.
Ich öffnete die Haustüre und nahm als erstes das Zwitschern der Vögel war. Dies kam mir am heutigen Tag besonders laut vor. Am Bach angekommen, hörte ich das Plätschern des Wassers, welches sich unglaublich beruhigend auf mich auswirkte. Ich folgte dem Bachverlauf und setzte mich auf eine kleine Brücke. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen, also der ideale Ort, um sich völlig auf die Natur zu konzentrieren. Ich sah und hörte verschiedene Vogelarten. Über mir drehte ein Mäusebussard gemütlich seine Runden, zwei Fischreiher flogen mit grossen Flügelschlägen über mich hinweg, auf dem Feld und in den Bäumen krächzten Krähen und weitere kleine Vögelchen unterhielten mich mit ihrem Vogelgezwitscher. Ein leichter Wind wehte mir ins Gesicht. In der Ferne waren ganz leise die Autobahn, ein vorbeifahrender Zug und das Läuten der Kirchenglocken wahrzunehmen. Am Himmel waren grössere und kleine Flugzeuge zu sehen und vor den Bergen befand sich ein aufsteigender Heissluftballon. Ausserdem hatte ich einen wunderbaren Blick auf die hohen schneebedeckten Berge um mich herum. Vor allem der Hohe Kasten und der Säntis waren deutlich zu sehen.
Während dem bewussten Wahrnehmen der Natur wurde mir klar, dass ich nur ein ganz kleiner Teil von ihr bin. Alleine kann ich die Natur kaum beeinflussen, aber auch mit vereinten Kräften und modernster Technologie gelingt es uns nicht immer. Sie besitzt nämlich eine unglaubliche Macht und ist oft unberechenbar. Mit einer wertschätzenden Lebensweise (nachhaltiger Umgang mit der Natur) können wir jedoch gewisse Katastrophen verringern oder sogar verhindern, aber nur, wenn alle Menschen am gleichen Strang ziehen.
Auf der Brücke konnte ich für einige Minuten völlig abschalten. Die Natur nahm mich in ihren Bann und ich fühlte mich frei. Leider musste ich mich früher als gewollt wieder auf den Rückweg machen, um euch mein Naturerlebnis pünktlich mitteilen zu können;)!
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2 Kommentare:
Ich finde, du hast die Natur sehr schön beschrieben. In meinem Kopf sind lauter Bilder aufgetaucht. Ich habe die Vögel zwitschern, den Bach plätschern und die Autos vorbeirasen hören, habe die Brücke und die Berge gesehen. Das Gefühl, in der Natur seine wahre Grösse und Wichtigkeit zu erkennen, ist mir sehr gut bekannt. Belastende Aspekte in meinem Leben verlieren dann an Wichtigkeit oder an Dimension, es wird klar, dass meine Probleme in der Weite der Welt eine ganz kleine Bedeutung haben. Diese Einsicht, dieses Gefühl empfinde ich als sehr entlastend.
Deine Beschreibungen sind sehr anschaulich. Mir geht es in der Natur ähnlich. Es ist spannend und eindrücklich, sich einmal nur auf die verschiedenen Geräusche in der Natur zu konzentrieren.
Auch ich habe als Kind viel Zeit in der Natur verbracht. Das Haus meiner Eltern befindet sich direkt unter einem Wald und da hatten wir oft die Gelenheit im Wald zu spielen.
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